Subjektiver Objektivtest | Einleitung

Inzwischen wird die Zahl an verfügbaren Objektiven immer größer und größer. Da wären zuerst mal die Markenhersteller (Canon, Nikon, etc.) mit einem immer reichhaltigeren Angebot von Einsteiger über den ambitionierten Hobby-Fotografen bis zum Profi. So kann man dann teilweise, je nach Geldbeutel, Objektive mit gleicher Brennweite und unterschiedlicher Ausstattung, wie Offenblende (F), Bildstabilisator (IS) und Art der Fokussierung (Mikro Motor, STM, Ring-USM, USM) erstehen. Und weil das noch nicht ausreicht, gibt es natürlich auch noch die Dritthersteller wie Tamron, Sigma, Walimex, Zeiss und unzählige mehr.

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen gibt es eigentlich nur zwei Dinge: lesen und ausprobieren. Zuerst zum Einfacheren, dem Lesen. Ich selber bin, bevor ich mir ein Objektiv kaufe, auf zwei Seiten wildern.

Wer des Englischen mächtig ist, der kennt sicherlich Ken Rockwells Seite. Das schöne an Kens Seite ist, dass bei ihm meistens eine Abstufung für unterschiedliche Ansprüche stattfindet und er eher selten zur teuersten Linse rät. Außerdem testet er Objektive vieler Hersteller und das nicht nur an Canon Gehäusen. 

Auch sehr gute Tests, allerdings nur für Objektive für Canon EOS Kameras, findet man bei Lenstests.de. Hier wird auf deutsch getestet, sämtliche Testergebnisse mit Testaufnahmen von einer optischen Bank untermauert. Außerdem gibt es die meisten Tests sowohl mit 36 mm Sensor (Kleinbild), als auch mit Cropped Kameras (APS-C).

Beim Ausprobieren wird die Sache etwas schwieriger. Falsch! Bei vielen Fachhändlern kann man sich Objektive leihen, zum Beispiel bei Calument. Oder ihr fragt einfach Bekannte, die dem gleichen kostspieligen Hobby nachgehen. 

Viele scheitern jedoch – verständlicher Weise – schon an den von Canon in den Äther geworfenen Abkürzungen (siehe oben). Daher möchte ich hier mal versuchen die trübe Abkürzungsbrühe etwas zu klären.

Beispiel für extreme Vignettierung
  • Canon EF-S: Objektive, die für Gehäuse mit APS-C Sensor, also einem kleineren Sensor, gemacht sind. Sie sind nicht zu Kleinbild Kameras kompatibel!
  • Canon EF: Objektive, die sowohl an Kleinbild, als auch an APS-C – oder Cropped – Kameras funktionieren. Sie haben also einen größeren Bildkreis als EF-S Objektive.
  • APS-C: Hauptsächlich wird zwischen Kleinbild Sensoren (manchmal auch als Vollformat bezeichnet) mit 24*36 mm Fläche und sogenannten Cropped Sensoren mit einer Fläche von ca. 15*22,5 mm unterschieden. Canon nennt diese kleineren Sensoren APS-C. 
  • Brennweitenverlängerung: Bei Kameras mit kleinem Sensor wird die Brennweite des Objektivs verlängert. Der zur Umrechnung genutzte Faktor variiert von Kamera Hersteller zu Kamera Hersteller leicht. Bei Canon beträgt er 1,6. An einer Kamera mit Cropped Sensor (z.B. Canon EOS 7D, 70D, etc.) ergibt sich bei einem Objektiv mit 35 mm Brennweite eine effektive Brennweite von 56 mm. 
  • F/: Manchmal auch ein kleines "f/" bezeichnet die Offenblende. Damit ist die größtmögliche Blendenöffnung gemeint. Je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung. Canon hat bis ins Jahr 2000 ein 50 mm Objektiv mit einer fabulösen Offenblende von f1.0 hergestellt. Gerade Zoom-Objektive neigen dazu bei größer werdender Brennweite eine kleiner werdende Blendenöffnung.
  • IS: Der Bildstabilisator hilft kleinere Verwacklungen der Kamera auszugleichen. So erreicht man eine bis zu 4 Blendenstufen längere Belichtungszeit. Nicht jedes Objektiv hat einen, manche Objektive haben sogar zwei verschiedene Modi.
  • AF: Autofokus.
  • Mikro Motor: Die günstigste Variante des Autofokus Motors. Leider ziemlich langsam und relativ hörbar. Die Genauigkeit ist so lala. 
  • STM: Die Stepping Motor Technology ist eine speziell für die Videoproduktion mit  EOS DSLRs gemachte Autofokus Technologie und kann nur an kompatiblen Kameras arbeiten (z.B. EOS 70D). 
  • USM: Steht für Ultra Sonic Motor, also ein Ultraschall Motor. Der Autofokus arbeitet sehr leise und präzise. Außerdem lässt sich der Autofokus jederzeit manuell überschreiben.
  • L: Jeder hat schon mal bei Sportveranstaltungen die großen weißen Objektive gesehen. Das sind L Objektive von Canon. L steht allerdings nicht für large, denn es gibt auch kleinere Objektive die das L im Namen tragen, z.B. das 24-70 mm f/2.8 L USM. L deutet an, dass es sich um ein Profi Objektiv handelt. Sie sind besonders ausgezeichnet durch ihren Preis. Außerdem sind sie Staub- und Spritzwassergeschützt.
Wer es bis hierher geschafft hat, den Text zu lesen, dem gebührt mein Respekt. Ich versuche in nächster Zeit zu den zwei Festbrennweiten, die ich mein Eigen nenne, und zu dem geliehenen 50 mm Objektiv jeweils einen kleinen subjektiven Test zu schreiben. Mir geht es dabei weniger um Vignettierung (das ist, wenn ein Bild zu den Ecken hin dunkler wird) oder chromatische Aberration (das ist, wenn Farbsäume entstehen), sondern eher um Verarbeitung, Handling, AF-Geschwindigkeit, etc. pp.