Subjektiver Objektivtest | 50 mm f/1.8

Update: in die erste Version des Artikels hatte sich ein Fehler eingeschlichen. In der Canon EOS 6D arbeitet, anders als zuerst geschrieben, natürlich ein Vollformat Sensor. Ich bitte den Fehler zu entschuldigen.

Nachdem ich im vorangegangenen Eintrag eine recht ausschweifende Einleitung geschrieben habe, geht es nun weiter mit dem ersten Bericht. Objektiv der Begierde ist das Canon EF 50 mm f/1.8 II. Die römische 2 steht für die zweite Generation des Objektivs. Canon überarbeitet in solchen Fällen die Optik, den Autofokus und die Haptik. Während die Optik sich üblicherweise verbessert, kann man das von der Haptik leider nicht immer sagen.

Bild: canon.de

Zunächst die technischen Daten:

  • Brennweite: 50 mm
  • Offenblende: 1.8
  • Bildstabilisator: nein
  • Autofokus: Mikro Motor
  • Naheinstellgrenze: ca. 45 cm
  • Filterdurchmesser: 52 mm
  • Optischer Aufbau: 6 Linsen in 5 Gruppen
  • Anzahl Blendenlamellen: 5
Die Situationen, in denen ich das Objektiv nutzen konnte sind recht überschaubar. Dies liegt aber nicht am Objektiv, sondern daran, dass ich es nicht besitze. Das erste Mal konnte ich es bei einem kleinen Test für ein Hochschulprojekt testen. Dabei ist es im Studiobetrieb zusammen mit einer Bron Softbox zum Einsatz gekommen. Als es ich mir das 50 mm Objektiv das nächste Mal ausgeliehen hatte, kam es für Bandfotos zum Einsatz, da hier mit wenig Licht auf kleinem Raum gearbeitet werden muss.

Generell ist ein 50 mm Objektiv immer noch für Fotografen die "Normalbrennweite". Mittlerweile kann man sagen, dass das nur noch zur Hälfte stimmt. Je nach benutztem Spiegelreflex Kameratyp – Cropped oder Vollformat – variiert der Abbildungsmaßstab. An einer Canon EOS 5D trifft die Aussage zu, an einer Canon EOS 7D schon nicht mehr, da hier ein APS-C Sensor arbeitet. Festbrennweiten gelten als sehr scharf. Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich diesen Eindruck nur bestätigen. Durch den Wegfall einer Möglichkeit zur Brennweitenänderung (Zoom), ist die Optik deutlich einfacher zu produzieren. Das führt auch zu perfekt auf die Brennweite abgestimmten Linsen. 

Dank der großen Offenblende von f/1.8 kann man auch bei schlechten Lichtsituationen noch mit verhältnismäßig geringer ISO-Zahl fotografieren. Außerdem bekommt man durch die große Blendenspanne von f/1.8 bis f/22 sehr viele Möglichkeiten zur Kontrolle der Tiefenschärfe. 

Die Vignettierung hält sich bei Offenblende in Grenzen, ab ca. f/4 ist sie kaum noch erkennbar. An einer Vollformatkamera dürfte dieser Wert etwas höher liegen. Softwareseitig lässt sich das allerdings leicht in den Griff bekommen. Ich persönlich würde nicht über f/16 gehen, da sich dann langsam aber sicher Beugungsunschärfe bemerkbar macht. 

Wie in der Aufstellung der technischen Details geschrieben, verfügt das 50 mm f/1.8 über 5 Blendenlamellen. Diese führen dazu, dass 10-gliedrige Glanzlichter entstehen können, welche oftmals als schöner als 8-gliedrige empfunden werden. Bei ungerader Lamellenzahl verdoppeln sich die Glieder eines Glanzlichts, bei gerader Anzahl entspricht die Gliedzahl der Lamellenzahl. 

Der Autofokus arbeitet sehr präzise, besonders bei Offenblende. Für meinen Geschmack ist er allerdings etwas zu langsam. Dies ist dem Mikro Motor geschuldet, der die Fokussierung übernimmt. Außerdem muss man, bevor man manuell fokussieren kann, erst den Schalter am Objektiv auf MF stellen. Ein Überschreiben wie bei USM AF ist nicht möglich.

Hervorzuheben ist, dass es kaum Farbsäume gibt. Hier arbeitet die Optik unglaublich gut. In den Randbereichen kommt es an APS-C Kameras zu fast keiner Verzerrung. 

Fazit: Das Canon EF 50 mm f/1.8 II ist eines der schärfsten Objektive, die Canon herstellt. Und das, obwohl der Plastikbomber bereits seit 1990 vom Band rollt. Unschlagbar ist natürlich auch der Preis: für ca. 100 € kann man seinen Objektiv-Zoo um eine sehr gute und universelle Optik erweitern. Wer bereits ein 85 mm Objektiv besitzt, sollte sich überlegen, ob nicht ein 35 mm Objektiv sinnvoller ist. 

Positiv zu verzeichnen: Preis, Schärfe, Offenblende, Gewicht, Abbildungsqualität

Negativ aufgefallen: relativ langsamer AF, billige Verarbeitung, Haptik

Einen Ausführlichen Test mit Vergleichsbildern findet man bei Ken Rockwell und bei lenstests.de.