Subjektiver Objektivtest | 85 mm f/1.8

Es ist Zeit für den nächsten Teil meiner kleinen Serie über Festbrennweiten. Dieses Mal geht es um das Canon EF 85 mm f/1.8 USM, die erste Festbrennweite, die ich mir angeschafft habe. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 462 € bewegt sich das Objektiv noch im bezahlbaren Rahmen. Ich würde es im mittleren Preissegment in der unteren Hälfte einordnen.

Bild: canon.de

Zunächst wieder die technischen Daten:

  • Brennweite : 85 mm
  • Offenblende : 1.8
  • Bildstabilisator : nein
  • Autofokus : USM
  • Naheinstellgrenze : ca. 85 cm 
  • Filterdurchmesser : 58 mm 
  • Optischer Aufbau : 9 Linsen in 7 Gruppen 
  • Anzahl Blendenlamellen : 8

Die 85 mm Festbrennweite ist auf einem Vollformatsensor eine wunderbare Ergänzung zum 50 mm Objektiv, da es sich sehr gut für Portraitaufnahmen eignet, bei denen nur der Kopf des Motivs abgebildet werden soll. Auf meiner 60D, einer Kamera mit APS-C Sensor, befindet man sich mit 85 mm Brennweite bereits im leichten Tele-Bereich (85 mm * 1,6 = 136 mm). Bisher habe ich das Objektiv nur in freier Wildbahn, also in Available Light Situationen genutzt – allerdings in den unterschiedlichsten Situationen.

PortraitEin dankbares Fotomotiv und sehr fotogener Hund am großen See auf dem ehemaligen IGA-Geländer am Killesberg in Stuttgart.
Die Blendenspanne geht, wie auch bei der 50 mm f/1.8, von f/1.8 bis f/22. Dadurch lässt sich die Tiefenschärfe sehr exakt abstimmen. Die Vignettierung kann man an einer APS-C Kamera bei Offenblende beinahe vernachlässigen. Ab f/4 ist keine Vignettierung mehr sichtbar. Wie auch beim 50 mm Modell, empfehle ich Blenden über einem Wert von f/16 zu vermeiden. Es kann sonst zu Beugungsunschärfen kommen. 

Der Autofokus arbeitet unglaublich schnell, vergleichbar mit der Fokussierfähigkeit des menschlichen Auges. Dabei ist die Blendenöffnung unerheblich, bei jeder getesteten Blende habe ich absolute Präzision festgestellt. Ein gutes Beispiel dafür ist das nachfolgende Bild der Hummel. Dank des Ultraschallmotors lässt sich die Fokussierung jederzeit manuell überschreiben. 

HummelHummel an einer Pfingstrose am Killesberg in Stuttgart.

Farbsäume, die bei Offenblende entstehen können, sind ab Blende f/2.8 nicht mehr sichtbar. Ich vermute, dass diese durch Tiefenschärfeeffekte entstehen. Die Bildschärfe ist bei jeder Blendenstufe annähernd gleich. Das beweist, wie gut die Linse ist. Auch Verzerrungen sind an einer APS-C Kamera nicht zu sehen. 

Sven Reisch im GesprächSven Reisch und Kerstin Andreae bei der Firma Krannich in Weil der Stadt Hausen am 14. August 2013.

Fazit: Die seit 1992 produzierte Optik ist universell einsetzbar. Egal ob Portrait oder Naturfotografie, man kann ein sehr breites Spektrum damit abdecken. Die Lichtstärke macht sehr viel Spaß, da man in nahezu jeder Lichtsituation damit arbeiten kann. Sowohl an meiner Canon EOS 60D, als auch an meiner quasi eingemotteten Canon EOS 450D, mit der das letzte Bild in diesem Bericht geschossen wurde, konnte ich sehr gute Ergebnisse erzielen. 

Positiv: Schärfe, Offenblende, Gewicht, Abbildungsqualität, gute Verarbeitung

Negativ: Fehlender Bildstabilisator, keine Streulichtblende im Lieferumfang enthalten

Einen Ausführlichen Test findet man bei Ken Rockwell

Subjektiver Objektivtest | 50 mm f/1.8

Update: in die erste Version des Artikels hatte sich ein Fehler eingeschlichen. In der Canon EOS 6D arbeitet, anders als zuerst geschrieben, natürlich ein Vollformat Sensor. Ich bitte den Fehler zu entschuldigen.

Nachdem ich im vorangegangenen Eintrag eine recht ausschweifende Einleitung geschrieben habe, geht es nun weiter mit dem ersten Bericht. Objektiv der Begierde ist das Canon EF 50 mm f/1.8 II. Die römische 2 steht für die zweite Generation des Objektivs. Canon überarbeitet in solchen Fällen die Optik, den Autofokus und die Haptik. Während die Optik sich üblicherweise verbessert, kann man das von der Haptik leider nicht immer sagen.

Bild: canon.de

Zunächst die technischen Daten:

  • Brennweite: 50 mm
  • Offenblende: 1.8
  • Bildstabilisator: nein
  • Autofokus: Mikro Motor
  • Naheinstellgrenze: ca. 45 cm
  • Filterdurchmesser: 52 mm
  • Optischer Aufbau: 6 Linsen in 5 Gruppen
  • Anzahl Blendenlamellen: 5
Die Situationen, in denen ich das Objektiv nutzen konnte sind recht überschaubar. Dies liegt aber nicht am Objektiv, sondern daran, dass ich es nicht besitze. Das erste Mal konnte ich es bei einem kleinen Test für ein Hochschulprojekt testen. Dabei ist es im Studiobetrieb zusammen mit einer Bron Softbox zum Einsatz gekommen. Als es ich mir das 50 mm Objektiv das nächste Mal ausgeliehen hatte, kam es für Bandfotos zum Einsatz, da hier mit wenig Licht auf kleinem Raum gearbeitet werden muss.

Generell ist ein 50 mm Objektiv immer noch für Fotografen die "Normalbrennweite". Mittlerweile kann man sagen, dass das nur noch zur Hälfte stimmt. Je nach benutztem Spiegelreflex Kameratyp – Cropped oder Vollformat – variiert der Abbildungsmaßstab. An einer Canon EOS 5D trifft die Aussage zu, an einer Canon EOS 7D schon nicht mehr, da hier ein APS-C Sensor arbeitet. Festbrennweiten gelten als sehr scharf. Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich diesen Eindruck nur bestätigen. Durch den Wegfall einer Möglichkeit zur Brennweitenänderung (Zoom), ist die Optik deutlich einfacher zu produzieren. Das führt auch zu perfekt auf die Brennweite abgestimmten Linsen. 

Dank der großen Offenblende von f/1.8 kann man auch bei schlechten Lichtsituationen noch mit verhältnismäßig geringer ISO-Zahl fotografieren. Außerdem bekommt man durch die große Blendenspanne von f/1.8 bis f/22 sehr viele Möglichkeiten zur Kontrolle der Tiefenschärfe. 

Die Vignettierung hält sich bei Offenblende in Grenzen, ab ca. f/4 ist sie kaum noch erkennbar. An einer Vollformatkamera dürfte dieser Wert etwas höher liegen. Softwareseitig lässt sich das allerdings leicht in den Griff bekommen. Ich persönlich würde nicht über f/16 gehen, da sich dann langsam aber sicher Beugungsunschärfe bemerkbar macht. 

Wie in der Aufstellung der technischen Details geschrieben, verfügt das 50 mm f/1.8 über 5 Blendenlamellen. Diese führen dazu, dass 10-gliedrige Glanzlichter entstehen können, welche oftmals als schöner als 8-gliedrige empfunden werden. Bei ungerader Lamellenzahl verdoppeln sich die Glieder eines Glanzlichts, bei gerader Anzahl entspricht die Gliedzahl der Lamellenzahl. 

Der Autofokus arbeitet sehr präzise, besonders bei Offenblende. Für meinen Geschmack ist er allerdings etwas zu langsam. Dies ist dem Mikro Motor geschuldet, der die Fokussierung übernimmt. Außerdem muss man, bevor man manuell fokussieren kann, erst den Schalter am Objektiv auf MF stellen. Ein Überschreiben wie bei USM AF ist nicht möglich.

Hervorzuheben ist, dass es kaum Farbsäume gibt. Hier arbeitet die Optik unglaublich gut. In den Randbereichen kommt es an APS-C Kameras zu fast keiner Verzerrung. 

Fazit: Das Canon EF 50 mm f/1.8 II ist eines der schärfsten Objektive, die Canon herstellt. Und das, obwohl der Plastikbomber bereits seit 1990 vom Band rollt. Unschlagbar ist natürlich auch der Preis: für ca. 100 € kann man seinen Objektiv-Zoo um eine sehr gute und universelle Optik erweitern. Wer bereits ein 85 mm Objektiv besitzt, sollte sich überlegen, ob nicht ein 35 mm Objektiv sinnvoller ist. 

Positiv zu verzeichnen: Preis, Schärfe, Offenblende, Gewicht, Abbildungsqualität

Negativ aufgefallen: relativ langsamer AF, billige Verarbeitung, Haptik

Einen Ausführlichen Test mit Vergleichsbildern findet man bei Ken Rockwell und bei lenstests.de.

Subjektiver Objektivtest | Einleitung

Inzwischen wird die Zahl an verfügbaren Objektiven immer größer und größer. Da wären zuerst mal die Markenhersteller (Canon, Nikon, etc.) mit einem immer reichhaltigeren Angebot von Einsteiger über den ambitionierten Hobby-Fotografen bis zum Profi. So kann man dann teilweise, je nach Geldbeutel, Objektive mit gleicher Brennweite und unterschiedlicher Ausstattung, wie Offenblende (F), Bildstabilisator (IS) und Art der Fokussierung (Mikro Motor, STM, Ring-USM, USM) erstehen. Und weil das noch nicht ausreicht, gibt es natürlich auch noch die Dritthersteller wie Tamron, Sigma, Walimex, Zeiss und unzählige mehr.

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen gibt es eigentlich nur zwei Dinge: lesen und ausprobieren. Zuerst zum Einfacheren, dem Lesen. Ich selber bin, bevor ich mir ein Objektiv kaufe, auf zwei Seiten wildern.

Wer des Englischen mächtig ist, der kennt sicherlich Ken Rockwells Seite. Das schöne an Kens Seite ist, dass bei ihm meistens eine Abstufung für unterschiedliche Ansprüche stattfindet und er eher selten zur teuersten Linse rät. Außerdem testet er Objektive vieler Hersteller und das nicht nur an Canon Gehäusen. 

Auch sehr gute Tests, allerdings nur für Objektive für Canon EOS Kameras, findet man bei Lenstests.de. Hier wird auf deutsch getestet, sämtliche Testergebnisse mit Testaufnahmen von einer optischen Bank untermauert. Außerdem gibt es die meisten Tests sowohl mit 36 mm Sensor (Kleinbild), als auch mit Cropped Kameras (APS-C).

Beim Ausprobieren wird die Sache etwas schwieriger. Falsch! Bei vielen Fachhändlern kann man sich Objektive leihen, zum Beispiel bei Calument. Oder ihr fragt einfach Bekannte, die dem gleichen kostspieligen Hobby nachgehen. 

Viele scheitern jedoch – verständlicher Weise – schon an den von Canon in den Äther geworfenen Abkürzungen (siehe oben). Daher möchte ich hier mal versuchen die trübe Abkürzungsbrühe etwas zu klären.

Beispiel für extreme Vignettierung
  • Canon EF-S: Objektive, die für Gehäuse mit APS-C Sensor, also einem kleineren Sensor, gemacht sind. Sie sind nicht zu Kleinbild Kameras kompatibel!
  • Canon EF: Objektive, die sowohl an Kleinbild, als auch an APS-C – oder Cropped – Kameras funktionieren. Sie haben also einen größeren Bildkreis als EF-S Objektive.
  • APS-C: Hauptsächlich wird zwischen Kleinbild Sensoren (manchmal auch als Vollformat bezeichnet) mit 24*36 mm Fläche und sogenannten Cropped Sensoren mit einer Fläche von ca. 15*22,5 mm unterschieden. Canon nennt diese kleineren Sensoren APS-C. 
  • Brennweitenverlängerung: Bei Kameras mit kleinem Sensor wird die Brennweite des Objektivs verlängert. Der zur Umrechnung genutzte Faktor variiert von Kamera Hersteller zu Kamera Hersteller leicht. Bei Canon beträgt er 1,6. An einer Kamera mit Cropped Sensor (z.B. Canon EOS 7D, 70D, etc.) ergibt sich bei einem Objektiv mit 35 mm Brennweite eine effektive Brennweite von 56 mm. 
  • F/: Manchmal auch ein kleines "f/" bezeichnet die Offenblende. Damit ist die größtmögliche Blendenöffnung gemeint. Je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung. Canon hat bis ins Jahr 2000 ein 50 mm Objektiv mit einer fabulösen Offenblende von f1.0 hergestellt. Gerade Zoom-Objektive neigen dazu bei größer werdender Brennweite eine kleiner werdende Blendenöffnung.
  • IS: Der Bildstabilisator hilft kleinere Verwacklungen der Kamera auszugleichen. So erreicht man eine bis zu 4 Blendenstufen längere Belichtungszeit. Nicht jedes Objektiv hat einen, manche Objektive haben sogar zwei verschiedene Modi.
  • AF: Autofokus.
  • Mikro Motor: Die günstigste Variante des Autofokus Motors. Leider ziemlich langsam und relativ hörbar. Die Genauigkeit ist so lala. 
  • STM: Die Stepping Motor Technology ist eine speziell für die Videoproduktion mit  EOS DSLRs gemachte Autofokus Technologie und kann nur an kompatiblen Kameras arbeiten (z.B. EOS 70D). 
  • USM: Steht für Ultra Sonic Motor, also ein Ultraschall Motor. Der Autofokus arbeitet sehr leise und präzise. Außerdem lässt sich der Autofokus jederzeit manuell überschreiben.
  • L: Jeder hat schon mal bei Sportveranstaltungen die großen weißen Objektive gesehen. Das sind L Objektive von Canon. L steht allerdings nicht für large, denn es gibt auch kleinere Objektive die das L im Namen tragen, z.B. das 24-70 mm f/2.8 L USM. L deutet an, dass es sich um ein Profi Objektiv handelt. Sie sind besonders ausgezeichnet durch ihren Preis. Außerdem sind sie Staub- und Spritzwassergeschützt.
Wer es bis hierher geschafft hat, den Text zu lesen, dem gebührt mein Respekt. Ich versuche in nächster Zeit zu den zwei Festbrennweiten, die ich mein Eigen nenne, und zu dem geliehenen 50 mm Objektiv jeweils einen kleinen subjektiven Test zu schreiben. Mir geht es dabei weniger um Vignettierung (das ist, wenn ein Bild zu den Ecken hin dunkler wird) oder chromatische Aberration (das ist, wenn Farbsäume entstehen), sondern eher um Verarbeitung, Handling, AF-Geschwindigkeit, etc. pp.